Sonntag, 14. Januar 2018

Buch-Ankündigung


Liebe Leserin, lieber Leser, 

Ich habe mich wieder einmal dazu entschlossen, ein Buch zusammen zu stellen. Ein neuer Lebensabschnitt hat begonnen und einige Wahrheiten in staubige Vergangenheit versenkt. Neues erschien wichtig, Wichtigkeiten wurden durch einen Verlust und zwingendes Alter entkernt, stürzten ein, lösten sich auf. 

Stand ich 2016 noch vor der Pforte, hinter der ich die Höhle namens Tod vermutete, erwachte ich nun auf der anderen Seite des Berges, den Gipfel hinter mir.

Nun breitet sich vor und unter mir ein Horizont frei von Gipfeln aus und ich möchte vor der Fortsetzung meines Weges noch einmal die Märchen, Lustspiele und Gedanken des Soeben noch einmal rekapitulieren. 

So habe ich aus dem Skizzen meiner Tage und aus den Verdichtungen der angeflogenen Gefühle 2016 und 2017 mein neuestes Buch bei Amazon Kindle zusammengestellt. Als Titel wählte ich "An der Pforte - Eintritt ins Alter". Es handelt sich um Texte, die im Einzelnen in meinen Blogs veröffentlicht wurden

Die Verarbeitung, was Form und Gestaltung betrifft, wäre durch einen Verlag sicher ansprechender erfolgt. Aber die Tröge sind auch in der Literatur von anderen Paarhufern umstellt, die sich gerade den Bauch vollschlagen und keinen Platz zwischen sich lassen können. Klagen hält vom Leben ab. So habe ich mir selbst die Mühe gemacht und Freitag Nacht um 3 den zum zwölften Mal veränderten Entwurf hochgeladen. 

Das Buch steht unter 
 bereit und kann dort erworben werden. Ich freue mich, bin stolz und befreit zu neuem Erleben, Berichten, Fragen, Singen. Die Doktoren Smirc und Warnix, Psychagog und abgefakete Konifere der Trumpkritik, warten bereits nervös im Rausch der Taizé - Manufaktur und Gott gibt einen Seniorenteller Geduld aus (20% auf alles außer Spitzensteuersatz). 

Ich wünsche freudige Erwartung auf 2018.

Klaus Wachowski 14.1.2018
Autorenseite bei Amazon: https://www.amazon.de/-/e/B00IQJZ89A



Samstag, 13. Januar 2018

Berührung

Die Zeit der Umarmungen ist vorbei. Es kam so in den 90ern auf. Der Versuch, wieder lebendigen Kontakt zu "richtigen" Menschen zu knüpfen. Die richtigen Menschen reagierten rasch mit kaum verhohlenem leichten Ekel. Man einigte sich auf Umarmung ohne Berührung, Küsse ohne Kuss. Das unverhohlene Heucheln hat das Pathos des Vertrauens wieder im Griff. Bildung, Karriere der Familie hat den Sieg über die Selbstverständlichkeit des solidarischen davon getragen. Ein Fernsehclown des Ich-Ich ist die lauteste Stimme der Welt.

Donnerstag, 11. Januar 2018

Alt werden

Beim Aussortieren von gemalten Kinderbildern
Jedes zweite tut mir weh. Aber ist es nicht wie mit den ersten Lauten? Wie süß klingen sie in unseren Ohren, wie peinlich in ihren, denen der später Erwachsenen? Sie verwehen, um den neuen Lauten Platz zu geben, der Aufmerksamkeit eine Chance gegen den Beton des Museums Erinnerung. Im Alter: wir müssen das Paradies verlassen, hinaus in die Realität...
In Kinderbildern ist die Hoffnung noch ganz nah dem Gefühl. Vertrauen heißt das Wort. Wen berührt es nicht, wenn jemand sein Herz öffnet? Wer kann kalt bleiben, wenn es ein Kind ist? Später kommt die Kunst: das Kind unter dem Können verbergen. Und die Hoffnung versteckt sich hinter dem Aquarell einer Sehnsucht.
Da war Liebe. Da ist sich schützende Liebe. Frühling unter Plexiglas. Ich vernichte die Zeugnisse der ersten Tage. Denn nun ist ein neuer Tag mit Anspruch auf Aufmerksamkeit. Auch für ihn kommt die Zeit der Erinnerung. Sie macht den Unfug nicht mit. Ihre Keller quellen über.
Ich muss sagen: es gibt Kinderzeichnungen, die mir mehr von der Welt und Gott zeigen, als manche hinter Gedanken verborgenen Zeichnungen eines Picasso, Monet, Richter oder Lo Sin. Das mag durchaus an mir liegen. Ich muss nicht mehr Recht behalten. Der Aufwand, dem Wunder nachzuspüren, ist groß genug.
Überhaupt das Wunder: Während der freundliche Herr X die Reifen an meinem Auto wechselt, sehe ich den Flomborner Stich hoch. Regenfäden aus schweren Wolken. In der Zeit meiner Beschäftigung bekam ich bei solchem Wetter regelmäßig depressive Stimmungen. Seltsamer Weise fühle ich mich seit meiner Pensionierung mehr den Menschen zugehörig als damals. Mühseligkeit, Verluste, Vergeblichkeit. Das mag manche zu Menschenfeinden werden lassen. Mich befreundet es scheinbar eher.
So verliert sich mein Hass auf den Rheinhessen-Wow täglich mehr. Vielleicht auch weil es lustig flopt.
Nun der Regen: ich weiß nicht, was mir dennoch gefällt. Was mir früher nicht einging: jetzt freut es mich für die Blumen auf dem Felde, für die Kinder, die in Gummistiefeln Neues entdecken, die Alten, die nun von Sehnsucht nach einem Wort erfüllt zusammen rücken. Dieser Tag ist ein Geschenk.
Man hat nicht immer Freude an jedem Geschenk.
Aber wie schön, dem Leben zuzuschauen, wie es durch den Regen fährt.
6.4.16

Montag, 8. Januar 2018

Dröhnen

Einer singt mit Opernstimme.

Die Gemeinde ist perplex und wird leise.

Auf einem Fels in die Welt hinaus singend
klänge es sicher gewaltig schön.

Hier höre ich die Eisenklammer einer Schulung
ihm die Freude abdrücken.
Aus diesem Dröhnen weint ein Ich,
dem das Du genommen wurde.

Laß doch die Schule fallen
und singe wie Dir die Freude gewachsen ist - mit.

Donnerstag, 4. Januar 2018

Wolf und Mensch

Vier Wölfe und ein Stier

Nach sechs Stunden ist der Kampf zugunsten der Wölfe entschieden. Ich verstehe nicht, wie Menschen auf die Idee kommen, Wölfe im Gebiet der Menschen anzusiedeln.

Ich hatte nie das Bedürfnis Wolf zu sein. Ich fühlte mich nie als Herrscher über Schafe, eher als beauftragter Nachbar unter Nachbarn. Menschen von Herr- und Knechtschaft haben mich aus dem Weg geschoben. Ein gerüttelt Maß an Feigheit unter mächtig gemachten habe ich erlebt.

So war ich nie Naturfreund, stets Freund der Natur.

Hält aber das Leben auch schreckliche Überraschungen bereit, ich komme noch früh genug in den Teil nicht-mehr-sein der Ewigkeit.

4.1.18 Klaus Wachowski

Mittwoch, 3. Januar 2018

Wer war Benn? Wer will ihn kennen?

https://drieschverlag.blogspot.de/2012/03/karl-kraus-gottfried-benn.html

Ich lebe nur dieses eine Mal. Ein Wort schraubender Dichter, dem Hitler kein Problem war und der sich dafür nicht entschuldigen mußte.

Er wollte nicht mitfühlen. Ich wette, er konnte auch nicht fühlend dichten. Wie der Philosophaster Heidegger nicht verständig denken.

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Showroom Marktplatz

Die Möwe Jonathan im Showroom Stadtkirche

Es war schön, weil meine Liebe neben mir saß.

Der Möwe Jonathan, dem Nebenverdienst des -ja doch leider- verstorbenen "Erzählers der Nacht" begegne ich wieder in der Stadtkirche Karlsruhe am 24.12. 17 im Abendschön. 

Schön, so im Abendschön an der hl. Nacht vorbei zu gehn. Blau leuchtet der Hintergrund, rot davor vier Kerzen. 
Wagnerbrummen in der Kirche. Jesus! Ist das nicht ein gospeliges Brausen wie evangelikal? Showdown der Vernunft.

Mein Zorn über stolz geschwellte Provinz, die sich überall und mehr als je über so viele wirklich gute aber schüchterne Kunst breit macht, verraucht, als ich die Todesanzeige des Meisterpathetikers Herget lese. Es war doch echte Begeisterung aus der poetischen Schlafmütze, die sich da nach einem Paradies auf den Papierblumen eines Ruhms von der Stange sehnte. Ich denke inzwischen, daß seine Sehnsucht wirkliche Sehnsucht war, der Schauspieler wirklicher Schauspieler mit halt stolperndem Erfolg. Stützt sich der Erfolg eines Handke, Walser, Sloterdijk denn auf eine werthaltigere Verarbeitung? Fusel der Show dort nicht weniger.

Und was ist das, was "Abendschön" in der Stadtkirche Karlsruhe an heiliger Nacht veranstaltet?

Rotes Leuchten, blaues Leuchten. Hype provincial. Die Verblödung des Glaubens durch Begeisterung. Da dei da daa.... so schön und froh. Coaching vom romantischen Altrocker. 

Nicht Weihnachtsmann, doch lustig. Ein Springinsfeld von Wybranietz. 

Eine aufgerühmte Poetrystammlerin wartet auf mit locker gerührten Schaumhäufchen aus Wörterschlamm. Haarscharf am Reimeschmied vorbei. So jung. Und schon von der Clique aufs goldene Kalb gesetzt. 

Die Weihnachtsbotschaft unter einer Musik vom Brei der Akkorde , Bembelmusik und Jungevangrölen für frömmelnde Altrocker Da dei, da daa..

Aber die Pferdekopfgeige mit Obertongesang war beeindruckend.

Ich hatte ich in der Stadtkirche eigentlich eine Andacht erwartet. Insofern bin ich unfair gegen den singenden Alten. 

Nur: Das Licht über dem Leid der Welt wurde im Gemütsrock einer Candle-Lightshow ausgeblendet.

27.12.17 Klaus Wachowski