Dienstag, 20. Juni 2017

Kirche in Palmbach

Palmbach
Von Lyon kommend okzitanisch.
(In Orange, das einmal Freiheit trug, thront nun ein Heimatschnarch.)
Der Dreißigjährige Krieg ist vorbei und trotzdem verfolgen uns Papst und Französischer König.
Unser Pfarrer hat in den 68er Kommunen Genf und Leyden studiert und uns nach der Vertreibung mit Mut und Schwert wieder in unser Tal zurück gebracht. Jetzt müssen wir aber fliehen.
Die Hessen wollen uns schlechten Grund in Walldorf für unsere Kartoffeln verkaufen. Wir ziehen zum Württemberger. La Balme 2 .
Die Bauern wollen keine von der Leibeigenschaft befreiten Franzitaliener.
Und das alles nur wegen freier Nächstenliebe.
*
Der Palmbacher Bürger ist von McDonalds Klops so wenig zu unterscheiden wie der Karlsruher Stramm oder die Backeskartoffel von Worx..
Was mich so berührt, ist die Geschichte eines sorgsameren Umgangs mit Menschen. Hier wird seit dem insolventen Kaufmann und Reformator Valdens, ein Bruder des Franziskus,  Nächstenliebe nicht verordnet, sondern selbst entschieden, worauf Verbrennen und Mord aller Art steht.
Ich weiß wohl, daß gerade dieses Selbstentscheiden die Selbsthingabe an die irre Ideologie des 3.Reichs eher erleichterte als die katholische Entscheidung zwischen zwei Herren. Aber es bleibt der richtigere Weg zwischen Menschen.
Die Flucht ins kaputte Land lohnte sich. Wie die der Pilgerväter ins wilde Amerika.
Was wohl die Flüchtlinge von heute aus den Wüsten des Ego erschaffen werden?

Donnerstag, 8. Juni 2017

Gedicht aus der Tang-Zeit

Bei dem unterschätzten chinesischen Dichter und Krimi-Autor Qiu Xiaolong entdecke ich ein berührendes Gedicht aus der Tang-Zeit.

Allein am Geländer des Balkons
steht sie und blickt über den Fluß,
auf dem Tausende von Segeln kreuzen.
Keines bringt den Geliebten.
Die Sonne neigt sich,
die Wasser fließen still in weite Ferne.

War es eventuell Interpretation oder der Übersetzung geschuldet? Das erste Wort "Allein" kam mir vor wie eine störende Erklärung. Sie schien mir das von Einsamkeit getränkte Bild der beiden ersten Verse anzukündigen und zu entleeren.
Ich änderte das Gedicht nach meiner Vorstellung. Die beiden ersten Verse gefielen mir nun besser. Der Rest? Vielleicht.

Am Geländer stehend
blickt sie über den Fluß.
Tausend Segel ziehen vorbei,
in keinem von ihnen der Geliebte.
Die Sonne sinkt,
die Wasser fließen langsam aus.

Zwischen Gedichten gibt es neben den Qualitätsunterschieden (Gedicht zum Versgeschmiedeten) auch Unterschiede von Haltung, Temperament, Gestaltung und Gegenstand der Betrachtung. Hier urteile ich gerne und vorschnell persönlich (es schadet ja niemandem). Ich hoffe aber, daß ich solche Urteile und solches Urteilen nicht in die Öffentlichkeit trage.

Dienstag, 6. Juni 2017

Hinweis auf Beuys, den Film

in Karlsruhe gesehen,
im Blog "Seniorenzimmer" besprochen.
Bezug Wertigkeit und Größe von Kunst und - Leben.

Dienstag, 23. Mai 2017

Auf einer Bank an der Alb

Nach der Abzocke
Der alte Schnulzer versteht die Welt nicht mehr. Keiner will noch Liebe kaufen!
Jenseits und Polizei warnen vor ihm.
Das Grau wuchert schon wieder unter dem Schwarz seiner Haare hervor über seine Erinnerungen.
Ganz in weiß mit einem Blumenstrauß, so sah sie in seinen schönsten Träumen aus.
Ganz verliebt schaute sie ihn strahlend an, da gabs nichts mehr, was sie trennen konnte.
Ja: Ganz in weiß so ging sie neben ihm und die Liebe lachte aus jedem Blick.

Und sie reichte ihm die Hand und er sah so glücklich aus, alles weiß mit einem Blumenstrauß.
So war ihm das Leben erschienen. Liebe und Liebesglück. Vorne beschnüffelten die Hunde einander. Hinten zockten die Haie. Er aber predigte den Zauber der Liebe!
Natürlich hat auch er auf die falschen Berater gesetzt und natürlich ist auch sein Testament völlig schief. Sie mögen verzeihen, daß er nicht verstand, sie haben doch seine Liebe!
Die Fans jubeln, die Leser johlen. Was für ein Schlangenloch!
Da ist noch was im Malteser. Er wäre ein Säufer?! "Daß ich nicht lache!- Und außerdem geht es Dich nichts an!" Warum soll er keinen Roman vom Götakanal und roten Ratten lesen?! Dieses schäbige, asoziale Leben der so genannten Wirklichkeit? Pah! Er zieht die Fliege zurecht und blättert um.
Der Holunder beginnt zu blühen, das Gras steht hoch. Ein Dreierpack Mädchen joggt vorbei. Sie glauben noch an das Ziel ihrer Sehnsucht. Er könnte ihnen etwas davon singen. Aber sie sind bei diesem Hähä Pop Giganten eingeseift worden oder beim All-Inclusive von Mallorca.
Schnaps verkleckert! Auch egal. Von allen Seiten zieht es Einsamkeit in seine Seele. Wer sind die Fans von Xavier Naidoo? Leute, die eine Botschaft brauchen! Ihn hat man oder "frau" doch hoffentlich anders verstanden. Er sang nicht vor aufgespritzten Lippen, aufgeblasenen Muskelsträngen, rasierter Erotik der Glatze. Seine Frauen waren Mütter und Töchter! Und was für Töchter! Er kommt ins Schwärmen. Ach die Liebe! Er hat doch genug Lebensversicherungen abgeschlossen! Was wollen sie nur alle von ihm? Er will doch nur singen!
Er hatte damals so was Türkisches. Etwas Trauriges klang aus seiner Stimme wie aus den Versen von Ferdi Tayfur. "Zigeuner müssen singen". Ja, es kommt nur noch ein Krächzen heraus und Bülent Ersoy singt inzwischen als Frau.
Aber jetzt ist die Zeit für das Glück vom kleinen Ich. Wie froh er ist.
Ein irrer Schüler reißt einer Schülerin den Turnbeutel aus der Hand und läuft triumphierend davon. Sein Kumpel filmt es.
Und ihm wirft man Narzißmus vor! Er denkt an die Zeit von weißen Rosen aus Athen. Jung sein, das war einmal Anstand. An einem Mädchen vergreift man sich nicht! Das da sind doch widerliche Mafia- und Adelsbürschchen vom Bauzaun LA.
Die Kneipe da ist zwar ziemlich asozial! Aber das Bier schmeckt auch hier und zwei oder drei kennen sein Geheimnis, zeigen ihm Respekt für einen tapferen Kampf um die Krone der Musik. Verloren, aber nicht umsonst geboren! Für ne Halbe wirds noch reichen.
Hallo Vito, ja was machst denn Du da? Peter Alexander? Schnell um die Ecke.-
Wir warten und warten auf späteres und späteres Alter, während die Haut der nachtrottenden Generationen sich mit Volltattoos einschmiert.
Jürgen Drews zwinkert uns zu, Bohlen kräht sein Allesegal und Naidoo wankt heim ins Reich. Aber niemand weiß wie es am Ende der Sehnsucht aussieht.
Wie heftig haben wir die Schnulze bekämpft, die aus der Bildzeitung triefte. Und jetzt haben wir RTL! Auch wir beschossen den Himmel mit visionären Farbnebeln und kamen uns treu und wahrhaftig vor. Jetzt sitzen wir in der Tram neben den alterszitternden Ruinen unserer kulturellen Haßobjekte, sie neben unseren zitternden Beinen.
Wir nicken einander zu in stillem Einverständnis über die unverbesserliche Jugend und wissen, daß wir es damit nicht besser machen als all die belächelten Generationen vor uns, die wir so haßten oder anbeteten.
Was bleibt als blühender Holunder und die Hoffnung, daß auch in den heraufkommenden uns unter sich begrabenden Generationen von  Youtube und Führer-Gefolgschaft des Starkults Liebe und Nächstenliebe sich tapfer halten, wiewohl die Ewigkeit wohl auch auf solche Sehnsüchte und Bekenntnisse nichts gibt.
So betrachten wir einander. Schwatzend und schweigend wie es dem Alter vorbehalten ist. Nicht ohne manche Seitenhiebe in einem kleinen häßlichen Zischen.
Schön ist es auf der Welt zu sein.
Roy Black greift zu Pasolini. Du glaubst es nicht? Stelle es Dir vor!
Er weist darauf hin, daß dessen Parteinahme für das Subproletariat und die virtuellen Bauern der Armut doch mindestens ebenso naturgemäß ein faules Weltbild erzeugt wie unser Haß auf die Welt der Spießer. Waren es nicht stets Leute, die nicht unter Leute gehen, die mit ihrer umgewendeten Einsamkeit Kübel des Menschenhasses über ihre Nachbarn gossen? So treffend und strahlend kritisch der Mann schrieb: sobald er die Visionen seiner Kindheit soff, kam er in einen Rausch der Unbarmherzigkeit gegen den gewöhnlichen Menschen, der nur deshalb nicht unmenschlich wirkte, weil er im autoritären und zum guten Teil faschistischen oder grobsozialistischen Umfeld der 60er und frühen 70er, als Roy gegen die Beatles ansang, wirkungslos blieb.
Beherrschung, Ansingen der zur Masse gewandelten Nachbarschaft*, das ist noch heute der Lösungsversuch des narzißtischen Milieus, das über TV den Weg nach unten gefunden hat. Die Nashörner Ionescus bedienen Smartphones*. Für den Künstler und Möchtegernkünstler bleibt der Weg in die Obdachlosigkeit. Er ist breiter und verführerischer geworden. Aber es gibt noch und stets auch die Möglichkeit, statt die Masse an-, in die Seele der Person zu singen. Naidoo konnte es (-einst, bevor er volxte), Roy sagt: ich auch - und besser!
Durch welche Höllen von Hallen haben sie Dich gejagt, während wir und sie Leben saugten!
Lies nur Deine Krimis, den Pasolini und Fritz Bauer. Die beiden letzteren: wer kennt sie noch, wer soll sie nach uns lesen? Mankell legt den Finger auf die Lippen. Sie grinsen.
Vito, einen Grappa bitte!
Filin.....

Mittwoch, 10. Mai 2017

Kontrollverlust

Xavier Naidoo

dieser Weg könnte ein leichter sein - aus dem Herzen in den Rülps. Vom Sänger zum böhsen Onkel.

Die Inbrunst war doch nicht nur Brunft! Wer so sang, mußte doch etwas erfahren und Feeling haben. Roxanne!

You don't have to put on the red light.

Was glaubst Du, denke ich über so manchen Volksvertreter, der die Armen verspottet?

Aber der Türke, der Pegida einheizt, der Rapper, der sich auf den Schoß der Glatze setzt. Den Hinterhof verlassen, um auf der Straße zu patrouillieren? Da lacht der Nazi.

Den Mann vom schweren Weg fand ich sympathischer.

Sorry! Ich muß den eigenen gehn.

Klaus Wachowski 10.5.2017

Donnerstag, 4. Mai 2017

Gleichheit

X aus Somalia sagt: "Hier reden alle von Gleichheit. Bei uns sind alle gleich: jeder hat eine Waffe!" 
Ich ergänze: "und aus dem gleichen Grund wohl auch höflich wie in Amerika."

Auf dem ersten Mai ein Häuflein Gewerkschafter. In der Kirche ein Häuflein Gläubiger.

Auf dem Berg zäunen wir die Grundstücke ein, bevor die verlorenen unsere Festung erklimmen.

Wir alle wissen: Privileg und Not hören nur auf, wenn von der Höhe des Berges Land abgetragen und in die Sümpfe des Elends eingetragen wird.

Es braucht nicht gewaltige Kenntnis in der Wissenschaft von der erfolgreichen Spekulation. Es braucht Einsicht. Es braucht Erkenntnis der Zufälligkeit und Begrenzung unserer Existenz. Das Leben ist geliehen, Reichtum Vorzug und wo die Not zu groß: Unrecht.

So sprechen Weisheit und Glaube.

Du kannst auch auf den natürlichen Größenwahn hören. Dann geh deinen Weg. Ich bleibe.

Leben ist Entscheidung, Freiheit Entscheidungsfreiheit.